Selbergemachte Zahncreme. Plastikfreies Leben. DIY.

So eine kleine Zahnbürste und das bisschen Zahnpasta, man kann es aber auch übertreiben. Ja kann man, man könnte es aber auch den Versuch, konsequent zu sein, nennen. Das bisschen ist natürlich auch ein dehnbarer Begriff, denn immerhin hab ich Bürste und Creme jeden Tag mehrmals im Mund. Das nicht genug, die meisten Zahncremes enthalten Inhaltsstoffe die schlicht weg ungesund sind.

Ein kleiner Auszug aus meinen Internetrecherchen bzw. meinem Chemiewissen (hab ich ja schließlich mal studiert :))

Inhaltstsoffe einer herkömmlichen Zahncreme

Fluoride zum Beispiel als Natriumfluorid. Sollen zur Kariesprophylaxe dienen. Tun sie vielleicht auch, aber Fluoride tun noch mehr. Sie verursachen zum Beispiel  helle Flecken auf den Zähnen. Zudem wirken sie als Zellgifte und hemmen Enzyme des Stoffwechsels, alles nur ganz leicht und ganz schwach und wenn dann Krankheiten des Immunsystems oder Stoffwechsels auftreten, bringt sie keiner in Zusammenhang mit Zahncreme. Das Thema wird sehr kontrovers diskutiert, da ja auch viele Speisesalze und teils Trinkwasser mit Fluorid angereichert werden. Mir ist auch bewusst, dass es die Dosis letztendlich macht. Da ich jedoch keine Probleme mit Karies habe, benötige ich kein extra Fluorid, das teils sogar als krebserregend diskutiert wird.

Triclosan. Ein Desinfektionsmittel. Ja, das befindet sich in Zahncreme und vielen anderen Kosmetikartikeln. Es soll Mikroorganismen abtöten bzw. deren Wachstum hemmen. Mittlerweile fordern Ärzte, Wissenschaftler und mehrere europäische Gesundheitsorganisationen ein sofortiges Verbot der weltweit verbreiteten Chemikalie in Alltagsprodukten.  Triclosan wirkt hormonell, sodass dadurch vor allem Brustkrebs gefördert und Spermien geschädigt werden. Zudem hat man einen Zusammenhang zu Antibiotika Resistenzen festgestellt. Nähere Informationen in der Veröffentlichung „Environmental Health Perspectives“ veröffentlichten.

Glycerin. Ein Feuchtigkeitsspender. Wozu braucht man in Zahncreme Feuchtigkeit? Vor allem wenn die Herkunft des Glycerins fragwürdig ist: Nebenprodukt bei der Biodiesel- oder Seifenherstellung (meist aus Rindertalg, also von wegen vegan), synthetisch aus Erdöl oder aus Palmöl. Wie gesagt Feuchtigkeitsspender??

Sorbitol steht auf der Packung, unter Sorbit findet man die ein oder andere Information. Grundsätzlich nämlich ein Zucker. Ja Zucker in Zahncreme ist nicht pauschal schlecht, bei meiner Zahncreme kommt auch einer rein, aber es kommt eben darauf an, was für ein Zucker es ist. Sorbitol als Zuckerersatzstoff hat nämlich nur die Aufgabe die Zahncreme geschmacklich perfekt, also einfach süß zu machen, sodass der Verbraucher sie weiter kauft. Manche Öko-Zahncremes verzichten auf Sorbit, da es auch Menschen mit Sorbitunverträglichkeiten gibt.

PVM/MA-Copolymer. Jetzt haben wir den Kunststoff. Unterstützt die Emulsionsbildung und verbessert die Produktstabilität. Ist übrigens auch der Stoff, der in Haarsprays für den perfekten Halt eingesetzt wird. Lecker.

Natriumlaurylsulfat.  Ein Tensid, das zur Reinigung der Zähne beigemischt wird. Es gilt als allergieauslösend und hautreizend. Die Anwendung von Zahnpasten mit Natriumlaurylsulfat kann daher zur Bildung von kleinen schmerzenden Mundgeschwüren beitragen. Forscher gehen zudem davon aus, dass Natriumlaurylsulfat die schützende Schleimhaut des Mundes austrocknet. Aber dafür ist ja dann das Glycerin drin. Hier brauchen wir ihn wieder, den Feuchtigkeitsspender.

Hydriertes Siliciumdioxid, Aromastoffe, Cellulosegummi, Natriumhydroxid, Propylenglykol, Carrageen, Natriumsaccharin, Titandioxid.

Ok, jetzt mag man vielleicht denken, dass die ein- oder andere Substanz halt mal in einer Zahncreme drin ist. Nein, die hier aufgeführten Inhaltsstoffe sind die Bestandteile EINER ganz normalen Zahncreme. Auch bei der Recherche zu den anderen Inhaltsstoffen stoße ich auf „reizende Chemikalie“ bis „allergieauslösend“.

Plastikfreie und gesunde Zahncreme-Alternativen

So, jetzt mal eine gute Nachricht: Es gibt eine Lösung. Nicht nur eine, sondern mehrere. Eigentlich wollte ich ja nur eine Zahncreme ohne Plastik haben. Aber für mich waren die Alternativen alle nicht so befriedigend.

Da gibt es zum Beispiel Zahnputztabletten. Man kann sie lose im entsprechenden Laden (verpackungsfreier Supermarkt) oder in Papiertüten und Gläsern kaufen. Die Tabletten werden im Mund zerkaut und dann wird mit einer feuchten Bürste geputzt. Es funktioniert. Aber da es weder schäumt noch nach Minze oder ähnlichem schmeckt, hatte ich immer das Gefühl, keine sauberen Zähne zu haben. Da sieht man mal wie man sich schon an die Industrieprodukte gewöhnt hat. Nachdem meine Tabletten aber aufgebraucht waren, war für mich auch klar, dass es keine dauerhafte Lösung ist. Die nächste Alternative war eine Zahncreme einer Ökomarke in einer Metalltube. Zumindest sind keine Kunststoffe in der Creme, und nur der Deckel ist aus Plastik. Das Problem war aber ähnlich, an den Geschmack konnte ich mich einfach nicht gewöhnen. Von meinem Standpunkt „Plastikfrei darf für mich keine Verschlechterung sein“ mag ich nicht abrücken.

Rezept für selbstgemachte Zahncreme

Dann mal ganz von vorne denken. Was will ich. Eine Zahncreme ohne Plastikverpackung und ohne Plastikinhaltsstoffe, sie soll zudem nach Minze oder frisch schmecken und vielleicht auch schäumen. Selber machen war also angesagt. Da der eigentliche Sinn beim Zähneputzen hauptsächlich in der mechanischen Reinigung liegt, braucht die Creme nicht zig Inhaltsstoffe. In meinen Büchern bin ich auf mehrere Rezepte gestoßen und habe dann meine perfekte Mischung gemacht.

So geht’s:

  • 3 TL Kokosöl
  • 1 TL Xylitol (auch unter Xylit oder Birkenzucker zu finden)
  • 1 TL Natron
  • (1 TL Kurkuma)
  • 20 Tropfen Pfefferminzöl

Das Kokosöl im Wasserbad in einem kleinen Glas erwärmen und die anderen Stoffe zugeben. Zum Schluss das Pfefferminzöl zugeben. Alles abkühlen lassen und dabei immer wieder umrühren. In ein kleines Schraubglas füllen. Fertig.

Auch hier kurz zu den Inhaltsstoffen:

Kokosöl braucht man für die Konsistenz, zudem wirkt die enthaltene Laurinsäure antibakteriell. Es soll die Zähne auch weißer machen, da bin ich jedoch skeptisch.

Xylitol. Ja ein Zucker, aber mit ganz anderen Eigenschaften. Xylitol wirkt kariesreduzierend. Diese Effekte werden dadurch erklärt, dass die kariogenen Bakterien Xylit nicht verstoffwechseln können und damit absterben. Weiterhin werden sie auch daran gehindert, als Plaquebakterien an der Zahnoberfläche anzuheften. Auch deshalb wird der Stoff in sogenannten Xylitkaugummis verkauft. Kann man sich aber sparen wenn man damit schon die Zähne putzt 🙂

Natron. Sorgt für eine Entfernung der Verfärbungen und Aufhellung der Zähne.

Kurkuma. Macht die Zähne und Zahnbürste erst mal richtig gelb, langfristig soll es aber bei der Aufhellung helfen. Zudem kann es helfen Wunden im Mund zu heilen. Mittlerweile verzichte ich auf Kurkuma in der Zahncreme. Das liegt aber nur an der Tatsache, dass ich ein Mineralgusswaschbecken habe, aus dem die gelben Flecken nur mühsam zu entfernen waren.

Minzöl. Für die Frische.

Ich gebe die Paste immer mit dem Holzspatel auf die Nasse Zahnbürste. An das nicht Schäumen muss man sich schon noch gewöhnen wenn man jahrzehntelang die Industriepasten gewöhnt war. Nachdem ich mich aber heute mit den Inhaltsstoffen auseinander gesetzt habe, gibt es für mich keine Alternative mehr.

Natürlich bin ich kein Zahnmediziner und kann niemandem Garantien für Reinigung und Kariesschutz geben. Ich bin überzeugt, macht euch euer eigenes Bild.

So ist es oft, man sucht eigentlich nur nach einem Produkt ohne Plastik und stellt dann fest welche Stoffe in herkömmlichen Lebensmitteln sind oder unter welchen unfairen Bedingungen viele Produkte hergestellt werden. Plastikfrei wird zu immer mehr. Man wird immer mehr anders. Aber das Gefühl anders zu sein wird immer besser.

Viel Freude beim Zähneputzen und Anderssein,

stefanie

 

9 Kommentare zu „Selbergemachte Zahncreme. Plastikfreies Leben. DIY.

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  1. Die Zahnputztabletten find ich auch irgendwie komisch, aber selbstgemachte Zahnpasta hatte bei mir bisher immer so einen salzigen Geschmack mit dem ich nicht klar komme. Hab jetzt einfach meine Zahnputztabletten zermahlen und mit Kokosöl gemischt. Da passt für mich die Konsistent und der Geschmack. Ich hoffe halt, daß es auch für meine Zähne klappt. 😉

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    1. Ich habe den birkenzucker in der Apotheke gekauft/bestellt. Dieser war aber leider in einer Plastikdose verpackt. 😬 der hält mir jetzt sehr lange, aber trotzdem hab ich auch mal geschaut ob es nicht eine plastikfrei Lösung gibt. Ich bin dann im Internet fündig geworden: https://www.xn--kruterladen-m8a.com/Xylit.html

      Also Plastikdose (250g), beim heimischen Apotheker oder Internetbestellung. Bisher hab ich ihn bei mir in den Läden noch nicht in Papier verpackt gefunden.
      Viel Freude beim Nachmachen. Stefanie

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  2. Danke für das Aufzeigen der Alternativen. Ich werde erstmal in meiner Apotheke nachfragen oder ins Reformhaus gehen. Ich unterstütze gerne die Geschäfte vor Ort. Aber zur Not bestelle ich dann doch online.

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